Demokratische Teilhabe

Wir betrachten Partizipation=Teilhabe als einen unverzichtbaren Bestandteil unserer inklusionsoffenen Pädagogik, die die Vielfalt der Menschen zum Ausgangspunkt macht.

Kinder teilhaben zu lassen an verschiedensten Kindergartenprozessen lässt sie erleben, dass sie gehört werden und ihre Meinung ein Gewicht hat. Beteiligung befähigt sie, Einfluss zu nehmen auf ihr Leben und ist damit Teil eines präventiven Kinderschutzes. Darüber hinaus wird die Basis zum Verständnis von und zur Beteiligung an demokratischen Prozessen gelegt – unerlässlich in der Welt von heute und morgen.
Die Beteiligung von Kindern ist besonders bei solchen Themen erforderlich, die ihren Lebensbereich unmittelbar und persönlich betreffen.

1. Entwicklungsschutzräume:

Wir sind der Überzeugung, dass Kinder Entwicklungsschutzräume benötigen, in denen sie in Ruhe ihren Entwicklungsimpulsen folgen können. Es gilt hierbei ein Gleichgewicht zu finden aus bedürfnisgerechter Partizipation und einer ruhigen, führenden Rahmengestaltung, die den Kindern Sicherheit gibt und nicht permanent alles in oder zur Frage stellt. Demokratische Prozesse sollen angelegt werden, aber noch nicht in jugendlicher oder erwachsener Weise die Kinder überfordern.

2. Spielen:

Innerhalb der Freispielzeiten darf jedes Kind frei entscheiden, mit wem es wann und wo und ob überhaupt spielt. Wir erzwingen keine Spielgemeinschaften, aber unterstützen natürlich den gruppendynamischen Prozess.
Kinder suchen sich ihr Spielmaterial selbst aus und müssen es nicht abgeben, wenn sie noch nicht fertig gespielt haben damit.
Sie werden einbezogen in die Anschaffung, Herstellung und Gestaltung neuer Spielmaterialien und Spielflächen.

3. Pflege:

Kleine Kinder suchen sich ihre*n Bezugserzieher*In aus, von der/dem sie gewickelt werden möchten. Während der Pflege orientieren wir uns an den Handlungsanweisungen Emmi Piklers und beziehen die Kinder aktiv ein.
Kinder entscheiden selbst, wann sie auf ihre Windel verzichten wollen.
Kinder entscheiden selbst, ob sie ein Töpfchen oder eine Toilette benutzen wollen.
Nach dem Toilettengang gelten jedoch verbindliche Händewaschregeln, die in ein Ritual eingebunden werden.

4. Ruhephasen:
Jedes Kind hat jederzeit das Recht sich selbst Ruhezeiten zu organisieren. Wir unterstützen es dabei.
Wir leiten das Mittagsband so ein, dass es den Kindern möglich werden kann, mit dem Vormittag abzuschließen und zur Ruhe zu finden. Da der Naturkindergarten in der ersten Phase bereits um 13:30Uhr schließt, entfällt ein Schlafensangebot.
Wenn Eltern ihr Kind für die Naturwerkstatt des Vereins anmelden möchten, sollte das Kind daher mindestens 4 Jahre alt sein, um seine Kräfte zu schonen. Die Naturwerkstatt  beginnt mit einer ruhigen Geschichtszeit auf Fellen in der Jurte. Wenn Kinder hierbei einschlafen, werden sie erst nach einer abgesprochenen Zeit wieder aufgeweckt.

5. Kleidung:
Kinder entscheiden im Haus selbst, ob sie rutschfeste Hausschuhe anziehen oder barfuß gehen wollen. Hausschuhe sollten möglichst mit einer flexiblen, dünnen Sohle ausgestattet sein. Kinder entscheiden auch, ob es ihnen im Shirt warm genug oder ein Pullover von Nöten ist.
Über die Notwendigkeit von Gummistiefeln, Regen-/Winterkleidung oder Kopfbedeckungen entscheiden die Pädagog*Innen. Wichtig für die Eltern ist, dass eine komplette Ausrüstung bei uns vorhanden sein muss. Dafür erhalten sie mit Aufnahme durch die Naturkinder eine Ausstattungsvorlage. Über den 1x im Jahr stattfinden Basar auf dem Gelände der Naturkinder können Kleidungsstücke getauscht und günstig erworben werden.

6. Essen:

Die Kinder entscheiden, was sie gerne essen mögen. Wir motivieren zum Probieren, drängen aber niemandem Essen auf. Kinder freuen sich ihre beiden Lebenswelten miteinander verbinden zu können und etwas von zuhause mitbringen zu dürfen. Wir freuen uns daher über eine Rohkost, die jedes Kind täglich der Gemeinschaft schenken kann. Das Mittagessen kochen wir an zwei Tagen pro Woche gemeinsam mit den Kindern.  Wir entscheiden gemeinsam im Verlauf der Vorwoche, welche Gerichte gekocht werden sollen. Die Kinder bereiten mit unserer Unterstützung die Zutaten selbst zu. Wer es sich zutraut, darf mit erwachsener Begleitung auch beim Kochprozess mithelfen. Die Kinder dürfen sich nach ihren Möglichkeiten selbst die Teller befüllen,  wir machen aber darauf aufmerksam, sich nur hungerangepasste Mengen zu nehmen. Wer satt ist, muss den Teller nicht leer essen. Als feste Essensregel gilt: Wir beginnen das Essen gemeinsam mit einem Ritual, und wir schließen es gemeinsam ab, bevor wir aufstehen. Wenn die ersten Kinder fertig sind, machen wir daher eine Dankesrunde.


7. Dienste:

Jedes Kind ist eingeladen die Pädagog*Innen bei ihren Arbeiten zu unterstützen oder auch einfach nur in die schaffige Atmosphäre mit einer eigenen Aktivität einzutauchen. Insbesondere die Vorschulkinder = Königskinder genießen in ihrem letzten Kindergartenjahr vor der Schule mehr Vertrauen in ihre Verantwortung und dürfen nun auch regelmäßig kleine Dienste für die Gemeinschaft übernehmen. Sie sind bereits in der Lage ihre Bedürfnisse bei Bedarf aufzuschieben und planvoll einfachere Handlungsabläufe auszuführen. Sie helfen z.B. beim Tischdecken oder beim Abwasch und reinigen mit den Pädagog*Innen die Gehege der Enten.


8. Regeln:

Wir entwickeln Regeln gemeinsam mit den Kindern und unterstützen uns gegenseitig bei deren Einhaltung. Da sich Regeln leichter aus der Gewohnheit heraus einhalten lassen, achten wir einerseits auf Konsequenz und beziehen sie andererseits in Rituale mit ein. So entstehen kleine Verse, Fingerspiele, Gedichte, Geschichten oder Lieder.
Wichtige oder häufige Regelbrüche besprechen wir im Morgenkreis mit den Kindern ebenso, wie die Notwendigkeit neuer oder die Abschaffung unnötiger Regeln.


9. Pläne:

Gemeinsam mit den Kindern gestalten wir Tages- und Wochenpläne und bauen einen Geburtstags- und Festekalender. Für die Eltern bauen wir mit den Kindern ein Elternboard mit Kindergarteninformationen und ein solches für den Austausch innerhalb der Elterngemeinschaft.
Die Königskinder wechseln täglich im Morgenkreis die Tagespläne und hängen den passenden Monat und Wochentag dazu.
Für die Eltern und das Team gibt es darüber hinaus eine App, in der alle Pläne auch digital hinterlegt sind.