Handlungspädagogik

1. Eine Begriffsannäherung

Ein Lernumfeld, in dem Kinder erfahren können, wie Menschen gemeinsam und aus freier Entscheidung sinnschaffend tätig sind und auf verantwortungsvolle und nachhaltige Weise Werte erzeugen, ist aus pädagogischer Sicht besonders wertvoll.

Wir wollen den Kindern die Möglichkeiten bieten, zu entdecken, wie schön es ist, dass man gemeinsam etwas gestalten kann, dass man gemeinsam etwas entdecken kann, dass man sich gemeinsam um die Erde, die Pflanzen, die Tiere und auch umeinander kümmern kann. Durch diese Lernmöglichkeiten können die präfrontalen, exekutiven Hirnfunktionen besser entwickelt werden. Ein solches Umfeld ermöglicht es, dass das Lernen Spaß macht, dass man sich in andere Menschen hineinversetzt, dass man Handlungen planen und die Folgen der Handlungen abschätzen und dass man Impulse kontrollieren und Frustrationen aushalten lernt.

2. Tiergestützte Interventionen (TGI)

Zu den Naturkindern gehören neben vielen kleinen Wildtieren auf dem Boden, an den Pflanzen und in der Luft auch mehrere Enten, zukünftig auch Kaninchen und ein pädagogisch-therapeuthischer Begleithund.

Die Kinder werden in die täglichen Arbeiten der Tierpflege und -fütterung einbezogen.Sie helfen beim Reinigen der Ställe und Gehege, sammeln Eier, bereiten aus den entsprechenden Rohstoffen ein leckeres Mahl, füllen Näpfe und Tränken und helfen beim Auf- und Umbau von Gehegeumzäunungen.

Bei Ausflügen begleiten uns manchmal zwei Esel mit ihrem Besitzer, die wir regelmäßig bei ihrer Koppel besuchen.

Das Lamazentrum Berlin Brandenburg mit Sitz in Stahnsdorf bietet die Möglichkeit für Förderarbeit auf unserem Gelände.

Für all diese tiergestützten Interventionen haben wir einen eigenen Bereich auf dem Gelände abgezäunt, in dem jedes Kind mit unserer Begleitung in Freiheit entscheiden kann, ob es den Kontakt an diesem Tag möchte oder lieber nicht.

Kinder lernen ihre Angst zu überwinden, bauen Vertrauen und Bindung zu den Tieren auf, fühlen sich in ihre Bedürfnisse ein und erleben am Verhalten der Tiere einen Spiegel ihres eigenen Verhaltens. Tiere können nicht nur psychische Wunden versorgen, sie können auch körperliche Entwicklungen anstoßen. Tiere werten nicht und sind stets authentisch. Empathie und Verantwortungsgefühl gedeihen hierbei ebenso, wie Konzentration, Geduld, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Auch hygienische Selbstfürsorge erlernen die Kinder hierbei. 

Ökologische Zusammenhänge und Kreisläufe werden erlebbar, das Leben offenbart sich in vieler seiner Facetten: Woher kommt das Futter? Was passiert mit dem Mist der Tiere? Wie werden Tiere geboren? Wie sterben sie?

Die Grenzen der Tiere sind die Grenzen der Interaktion. Wenn die Tiere Rückzug und Ruhe brauchen oder abwehrend reagieren, respektieren und ermöglichen wir dies. Alle Pädagog*Innen sind geschult in den artspezifischen Verhaltensäußerungen der Tiere. Die Gestaltung der tierischen Aufenthaltsräume und der Interaktionszeiten mit den Kinder orientieren sich am Wohl der Tiere. Jedes Kind entscheidet im Rahmen dieser Zeiten selbst, ob und wie weit es Kontakt aufnehmen möchte oder nicht. Vor Aufnahme bei den Naturkindern sollten keine Allergien gegen die bei uns wohnenden Tiere bekannt sein. Jede Familie bestätigt durch ihre Unterschrift, dass ihnen Nutzen und Risiken der tiergestützten Interventionen vertraut sind und sie diese befürworten.